„Ich bin nicht allmächtig, ich bin nicht ohnmächtig, ich bin partiell mächtig“
– diese Feststellung von Ruth Cohn öffnet das weite Feld zum Thema Macht, das in sozialen Kontexten allgegenwärtig ist.
(Gelebte Geschichte der Psychotherapie, 1984, S. 359)
Nahezu niemand hat gar keine Macht – das führt zu den Fragen:
- Wie setze ich meine Macht ein?
- Wie bewusst bin ich mir meiner Macht?
- Wie gut kann ich die jeweilige Macht anderer über mich akzeptieren?
Das Thema „Macht“ ruft Bilder von glanzvollen Momenten in unserer Geschichte hervor, aber auch bedrückende und grauenvolle. Macht hat eine Tendenz zu akkumulieren: Mehr Macht führt zu noch mehr Macht. Deshalb ist die Kontrolle der Macht und ihrer Ausübung so zentral und wichtig.
Das Geld als beliebig einsetzbare abstrakte Größe ist heutzutage ein wesentlicher Machtfaktor. Macht ist historisch sehr ungleich verteilt:
zwischen den Völkern und zwischen den sozialen Schichten einer Gesellschaft, aber auch zwischen Frauen und Männern in einer Gesellschaft.
Macht entsteht einerseits, wenn Menschen sich zusammentun und Leitende finden, denen sie meinen, Vertrauen schenken zu können. Macht zeigt sich aber auch, wenn Menschen Gewalt ausüben können und wollen. Das führt zu Ohnmachtserfahrungen, die von den Betroffenen sehr schwer zu verarbeiten sind. Kinder erleben die Eltern als übermächtig – das Erwachsenwerden und zur eigenen Teilmächtigkeit finden ist ein schwieriger, komplizierter und nicht immer gelingender Prozess.
Ein guter Umgang mit Macht und Ohnmachtserfahrungen ist ein wirksamer Weg zum Frieden. Davon sind wir überzeugt.
Am Fachtag in diesem Jahr wollen wir:
- uns in diesem Spannungsfeld „Macht“ bewegen,
- für uns selbst herausfinden, was unser Thema dabei ist,
- wo wir mit unserer Macht noch besser umzugehen lernen wollen, oder
- was uns helfen kann, uns besser zu wehren, wo es für uns nötig erscheint oder nötig ist.
Wir (Andrea Lye und Christian Dehm) stellen uns vor, dass wir am Vormittag eine Einführung in das Thema gestalten
und am Nachmittag in Workshops arbeiten werden – zu den Arbeitsthemen, die die Teilnehmenden selbst gewählt haben.
Jede Person soll an diesem Tag einen klareren Blick auf ihre partielle Macht bekommen.
Literatur:
- Christiane Bauer-Jelinek: Die helle und die dunkle Seite der Macht, 2017, 14. Aufl. 2020
- Hannah Arendt: Macht und Gewalt, 1970, 26. Aufl. 2017
- Rutger Bregman: Im Grunde Gut, 2021, 19. Aufl. 2024
- TZI / Themenzentrierte Aktion 2/2012: Tausche Ohnmacht gegen partielle Macht

